Die Geschichte des Olivenöls beginnt lange vor den griechischen Tempeln und den römischen Amphoren. Sie führt an die östliche Mittelmeerküste, in bronzezeitliche Werkstätten, über Handelsrouten nach Westen und schließlich in moderne Mühlen auf mehreren Kontinenten. Aus einer mühsam gewonnenen Pflanzenflüssigkeit wurde ein Lebensmittel, Lampenbrennstoff, Handelsgut und kulturelles Symbol.

Diese Chronologie ordnet 23 wichtige Stationen nach Zeiträumen und Jahren. Die großen Datumsangaben sind Orientierungspunkte, keine Behauptung, eine ganze Kultur oder ein Verfahren sei an einem einzigen Tag entstanden. Bei frühen Funden bedeutet „ca.“ ungefähr; Zeiträume zeigen den Forschungsstand und regionale Unterschiede. Stand der Zusammenstellung: 2026.

Wann wurde Olivenöl erstmals nachgewiesen oder erwähnt?

Materielle Belege und geschriebene Worte beantworten unterschiedliche Fragen. Zu den frühen Hinweisen auf genutztes Olivenöl gehören Rückstände aus Ein Zippori, die auf ungefähr 6000 v. Chr. datiert werden. Für eine frühe Ölgewinnung sind außerdem die zerdrückten Olivenreste von Kfar Samir um 5600–5000 v. Chr. besonders wichtig.

Als frühe schriftliche Erwähnung werden in der Literatur die Keilschriftarchive von Ebla im heutigen Syrien aus dem 24. Jahrhundert v. Chr. genannt, also ungefähr 2400 v. Chr. „Früher erhaltener Schriftbeleg“, „Beginn des Anbaus“ und „Erfindung des Öls“ sind trotzdem nicht gleichbedeutend. Eine absolut erste Nutzung oder ein exaktes Erfindungsjahr lässt sich daraus nicht ableiten.

Quellen: [1] [2] [4] [5]

Der chronologische Überblick

ca. 6000 v. Chr.Fettspuren in Keramik: Öl vor der Schrift

In Ein Zippori in Galiläa wurden Gefäßreste untersucht, deren organische Rückstände als Hinweise auf Olivenöl interpretiert werden. Die häufig genannte Datierung liegt rund 8000 Jahre zurück, also ungefähr bei 6000 v. Chr. Menschen nutzten die Olive demnach bereits, bevor schriftliche Aufzeichnungen unseren Blick in die Vergangenheit erleichtern.

Solche Analysen sind etwas anderes als eine vollständig erhaltene Ölflasche oder eine beschriftete Rezeptur. Sie beruhen auf archäologischem Zusammenhang und chemischen Spuren. Deshalb ist die Formulierung „zu den frühesten Belegen“ belastbarer als die Behauptung, hier sei der allererste Tropfen der Welt entstanden.

Quellen: [1] [2]

5600–5000 v. Chr.Kfar Samir: Die Frucht wird gezielt verarbeitet

Am heute unter Wasser liegenden Fundplatz Kfar Samir nahe Haifa fanden Forschende große Mengen zerdrückter Olivensteine und Fruchtreste. Die Fachliteratur ordnet diese Hinweise auf Ölgewinnung ungefähr dem Zeitraum 5600–5000 v. Chr. zu. Damit rückt nicht nur die Nutzung, sondern der eigentliche Verarbeitungsschritt in den Blick.

Die Menschen mussten das Fruchtgewebe aufbrechen und das Öl von Wasser und festen Bestandteilen trennen. Eine spätere Schrauben- oder Hydraulikpresse ist für diese frühe Phase damit nicht nachgewiesen. Ein einfaches Verfahren konnte bereits Öl liefern, ohne dass die ausgefeilte Mühlentechnik der Antike vorhanden war.

Quellen: [1]

5000–4000 v. Chr.Vom wilden Baum zur gepflegten Kulturpflanze

Zwischen dem Sammeln wilder Oliven und einem dauerhaft bewirtschafteten Hain liegt ein großer Schritt. Archäobotanische Untersuchungen und Pollenprofile sprechen für frühe Kultivierung in der südlichen Levante. Im fünften Jahrtausend v. Chr. gewinnt der gezielte Anbau dort deutlich an Bedeutung; Details und räumliche Schwerpunkte bleiben Forschungsfragen.

Bäume zu pflanzen, zu vermehren und über Jahre zu erhalten bedeutet langfristige Planung. Anders als eine einjährige Feldfrucht bindet ein Olivenhain Arbeit und Land über Generationen. Die Geschichte des Öls ist deshalb auch eine Geschichte veränderter Landschaften, gärtnerischen Wissens und der Auswahl geeigneter Bäume.

Quellen: [1]

ca. 2500 v. Chr.Eine bronzezeitliche Produktionsstätte in Jordanien

Khirbet Um al-Ghozlan im heutigen Jordanien zeigt, wie spezialisiert die Ölwirtschaft bereits werden konnte. Der British-Museum-Bericht beschreibt eine kleine, befestigte Anlage mit Verarbeitungseinrichtungen, Pflanzenresten und auffallend vielen Vorratsgefäßen. Sie gehört in die frühe Bronzezeit, ungefähr in den Zeitraum 2600–2000 v. Chr.; „um 2500“ dient hier als zeitlicher Orientierungspunkt.

Die Kombination der Funde stützt die Deutung als saisonale Produktionsstätte statt als gewöhnliches Dorf. Einzelne Untersuchungen, etwa zu Rückständen in Vorratskrügen, waren im Museumsbericht noch offen. Gerade diese Unterscheidung zwischen überzeugender Gesamtdeutung und noch laufender Einzelanalyse gehört zu einer sorgfältigen Geschichtsdarstellung.

Quellen: [3]

ca. 2400 v. Chr.Ebla: Olivenöl tritt in die schriftliche Überlieferung ein

Die Palastarchive von Ebla, dem heutigen Tell Mardikh in Syrien, enthalten Keilschrifttafeln aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. Die auf Olivenöl bezogenen Zeugnisse des 24. Jahrhunderts werden häufig als besonders frühe schriftliche Erwähnung angeführt. Nun ist Öl nicht mehr nur eine chemische Spur, sondern ein Gegenstand von Verwaltung und Wirtschaft.

Die Überlieferung verbindet das Produkt bereits mit Kontrolle und geordneten Abläufen. Für die Frage „Wann wurde Olivenöl erstmals erwähnt?“ ist Ebla deshalb ein wichtiger Bezugspunkt. Die Datierung bezeichnet einen überlieferten Schriftbestand, nicht die Entdeckung der Olive und auch keinen weltweit nachweisbaren Beginn des Handels.

Quellen: [4] [5]

1450–1200 v. Chr.Kreta und die mykenische Welt: Öl in der Palastverwaltung

In der spätbronzezeitlichen Ägäis wird Öl in komplexe Palastwirtschaften eingebunden. Linear-B-Tafeln erfassen Mengen und Verwendungszwecke; ein Beispiel im Archäologischen Museum Heraklion nennt Olivenölgaben an Gottheiten im Heiligtum von Amnissos. Der Zeitraum 1450–1200 v. Chr. steht hier für diese schriftlich greifbare Verwaltungswelt, nicht für ein einziges Entstehungsdatum aller Tafeln.

Olivenöl war damit mehr als eine Küchenzutat. Vorratshaltung, kultische Gaben und die Verarbeitung zu duftenden Zubereitungen verbanden Landwirtschaft mit spezialisierten Tätigkeiten. Kreta ist ein wichtiges Kapitel dieser Geschichte, aber nicht der durch die ältesten Funde belegte alleinige Ursprungsort.

Quellen: [6]

1000–600 v. Chr.Seefahrer verknüpfen die Mittelmeerküsten

Phönizische und griechische Handelsnetze fördern im frühen ersten Jahrtausend v. Chr. den Austausch von Öl, Pflanzen und Anbauwissen. Über Inseln, Küstensiedlungen und Handelsplätze wird der Mittelmeerraum enger verbunden. Der Ausbau der Kultivierung erreicht unterschiedliche Regionen Italiens, Nordafrikas und der Iberischen Halbinsel nicht gleichzeitig.

Eine einfache Pfeilkette „erst Land A, dann Land B“ wäre irreführend: Wildoliven waren vielerorts schon vorhanden, Nutzung und Kultivierung entwickelten sich regional unterschiedlich. Neu ist die wachsende Vernetzung, durch die Pflanzgut, Gefäßformen, handwerkliche Kenntnisse und Absatzmärkte zusammenkommen.

Quellen: [1] [7]

600–400 v. Chr.Athen: Lebensmittel, Körperpflege und ein wertvoller Sportpreis

Im klassischen griechischen Alltag begegnet Öl beim Essen, bei der Körperpflege, in Lampen und im Kult. Besonders anschaulich sind panathenäische Preisamphoren: Sieger der Wettkämpfe in Athen erhielten Gefäße mit Öl aus heiligen Olivenhainen. Das Metropolitan Museum dokumentiert solche Amphoren bereits aus dem sechsten Jahrhundert v. Chr.

Diese Preise darf man nicht mit dem Ölzweigkranz der Olympischen Spiele gleichsetzen. Mythologische Erzählungen über Athena erklären die kulturelle Wertschätzung, ersetzen aber keine Datierung der ersten Ölherstellung. Die Besonderheit dieser Epoche liegt darin, wie eng ein landwirtschaftliches Produkt mit städtischer Identität und öffentlichem Ansehen verbunden ist.

Quellen: [8]

200–100 v. Chr.Cato: Zerkleinern und Pressen werden schriftlich beschrieben

Im zweiten Jahrhundert v. Chr. behandelt Cato in De Agricultura den Betrieb eines Landguts und die Ölgewinnung. Er beschreibt unter anderem Mühleneinrichtungen und Pressanlagen. Steinmühlen und der als Trapetum bekannte Zerkleinerer gehören zur antiken Technikgeschichte: Zuerst wird die Frucht aufgebrochen, danach wird die Paste weiterverarbeitet.

Hebelpressen erzeugen mit einem langen Balken und zusätzlicher Belastung Druck auf die Olivenmasse. Die mechanische Aufgabe unterscheidet sich vom Mahlen. Catos Hinweise auf zügige Verarbeitung zeigen außerdem, dass Ernteorganisation und Ölqualität schon damals zusammen gedacht wurden – auch ohne moderne Temperaturfühler und Edelstahl.

Quellen: [9] [10]

1. Jh. n. Chr.Plinius und die Schraube: Mehrere Presssysteme nebeneinander

Im ersten Jahrhundert n. Chr. beschreibt Plinius Pressmechanismen, darunter Lösungen mit Schrauben. Die Schraube kann Kraft übertragen und einen Balken oder eine Druckvorrichtung bewegen. Für eine Geschichte der Pressmethoden ist dies ein wichtiger schriftlicher Fixpunkt, aber kein ausreichender Beweis für ein einziges weltweit gültiges Erfindungsjahr.

Die Forschung warnt vor dem einfachen Schema „Hebel, dann Schraube, danach verschwindet die alte Presse“. Archäologische Befunde zeigen regional unterschiedliche Kombinationen und lange parallele Nutzung. Kleine Betriebe, verfügbare Werkstoffe und örtliches Handwerk beeinflussten die Technik ebenso wie eine neue mechanische Idee.

Quellen: [10]

1.–3. Jh. n. Chr.Rom: Ein Ölhandel, der einen Hügel hinterlässt

Zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert n. Chr. gelangt Olivenöl in großen Mengen nach Rom, unter anderem aus der südspanischen Baetica und aus Nordafrika. Transportamphoren machen das Produkt seefest handelbar. Beschriftungen und Stempel konnten Angaben zu Herkunft, Inhalt oder beteiligten Personen festhalten.

Der Monte Testaccio liegt in Rom, nicht in Ostia. Sein Scherbenmaterial stammt überwiegend von Öltransportgefäßen und macht den gewaltigen Warenumschlag sichtbar. Öl ist in dieser Zeit ein systematisch produziertes, verschifftes und kontrolliertes Versorgungsgut, nicht nur eine kostbare Spezialität auf einzelnen Festtafeln.

Quellen: [11] [4]

Amphoren, Oliven und ein mediterraner Hafen als Symbol für den antiken Olivenölhandel
KI-generiertes Symbolbild zum antiken Seehandel. Es zeigt keine dokumentierten Fundstücke und keine Rekonstruktion eines bestimmten Hafens.

500–1500Mittelalter: Kontinuität statt einer verschwundenen Tradition

Nach dem Ende des Weströmischen Reiches verschwindet die Olive nicht aus dem Mittelmeerraum. In christlich, byzantinisch und islamisch geprägten Regionen bleiben Haine, Werkstätten und Handelsbeziehungen bestehen oder werden neu geordnet. Die Entwicklung verläuft regional verschieden; ein durchgängiger Zusammenbruch oder ein überall gleichzeitiger Aufschwung wäre zu pauschal.

Öl bleibt für Ernährung, Beleuchtung, Körperpflege und religiöse Praxis wichtig. Auf der Iberischen Halbinsel hinterlässt der arabische Einfluss auch sprachliche Spuren, etwa im spanischen aceite und im portugiesischen azeite. Traditionelle Mühlen und unterschiedliche Pressentypen werden über lange Zeit weiterverwendet und örtlich angepasst.

Quellen: [1] [7]

16. JahrhundertKoloniale Handelswege bringen den Anbau nach Amerika

Im 16. Jahrhundert transportieren spanische Kolonisatoren Olivenpflanzen in die Amerikas. Anbau entsteht unter anderem in Mexiko sowie später in geeigneten Regionen Perus, Chiles und Argentiniens. Es handelt sich um einen längeren Transfer von Pflanzen und Verfahren, nicht um ein einziges Datum, an dem der ganze Kontinent Olivenöl kennenlernt.

Entscheidend sind Klima, Wasser, Vermehrungsmaterial und die Organisation der neuen Landwirtschaft. Der Anbau gehört zugleich in die Geschichte europäischer Kolonisierung und ihrer Auswirkungen auf bestehende Gesellschaften. Dass ein Baum mediterranen Ursprungs außerhalb seiner Herkunftsregion wirtschaftlich Fuß fasst, wird für die spätere Weltkarte des Olivenöls bedeutsam.

Quellen: [7]

18. JahrhundertKalifornien: Oliven an den spanischen Missionen

Im 18. Jahrhundert gelangen Olivenbäume mit spanischen Missionen nach Kalifornien. Die agrarwissenschaftliche Übersicht von Lazicki und Geisseler beschreibt ihre Pflanzung an den Küstenmissionen. Damit entsteht ein regionales Anbaukapitel, aus dem sich später sowohl Tafeloliven- als auch Ölproduktion entwickeln.

Ein Missionsgründungsjahr ist nicht automatisch das genaue Jahr der ersten örtlichen Ölpressung. Deshalb nennt diese Chronologie das Jahrhundert statt eines scheinbar sicheren Tages. Das Beispiel zeigt, wie die weltweite Verbreitung aus vielen lokalen Anfängen besteht und wie unterschiedlich sich einzelne Anbauzweige anschließend entwickeln.

Quellen: [12]

1795Bramahs Hydraulikpatent schafft eine neue technische Grundlage

1795 wird die hydraulische Presse von Joseph Bramah patentiert. Das Grundprinzip nutzt den über eine Flüssigkeit übertragenen Druck, um große Kräfte zu erzeugen. Die Erfindung betrifft zunächst eine allgemeine Maschinentechnik und ist nicht gleichbedeutend mit der Erfindung einer fertig entwickelten Olivenölmühle.

Für die Ölgeschichte ist die Unterscheidung wichtig: Zwischen einem technischen Prinzip und seiner verbreiteten Anwendung auf eine bestimmte Frucht liegen Konstruktion, Anpassung und Investition. Im 19. Jahrhundert verändert die Industrialisierung deshalb nicht nur die Presskraft, sondern auch Werkstoffe, Antriebe und die Arbeitsteilung in den Mühlen.

Quellen: [13]

1833Montilla: Hydraulik wird für Olivenöl eingesetzt

Eine fachhistorische Untersuchung dokumentiert für 1833 die von Diego de Alvear eingerichtete hydraulische Ölpressanlage in Montilla bei Córdoba. Die Maschine wurde in Manchester hergestellt und nach Andalusien gebracht. Dieses gut benannte Beispiel zeigt konkret, wie die allgemeine Hydrauliktechnik in der Olivenverarbeitung eingesetzt wurde.

Es ist kein Beleg dafür, dass an diesem Tag weltweit alle alten Pressen abgelöst wurden. Hydraulische Anlagen breiten sich nach und nach aus und stehen lange neben Balken- und Schraubenpressen. Mehr Leistung und kürzere Verarbeitung können Vorteile bringen; die Güte des Öls hängt weiterhin auch von Fruchtzustand, Sauberkeit und Organisation ab.

Quellen: [13]

Illustrative traditionelle Steinmühle zum Zerkleinern von Oliven
KI-generierte Illustration einer traditionellen Steinmühle. Zerkleinern und anschließendes Pressen sind unterschiedliche Arbeitsschritte; das Bild dokumentiert keine datierte Anlage.

1951Perkolation: Ein anderer Weg zur Öltrennung

Die technische Übersicht der AOCS nennt 1951 als Jahr des von Buendía gebauten Alfin-Perkolationsprototyps. Hier wird die Trennung nicht ausschließlich durch starken Druck erreicht. Das unterschiedliche Benetzungsverhalten von Öl und Wasser an geeigneten Oberflächen wird für die Ölgewinnung genutzt.

Dieses Prinzip gehört zur Vorgeschichte beziehungsweise Entwicklung von Perkolationssystemen; es sollte nicht mit jeder späteren Handelsbezeichnung gleichgesetzt werden. Eine neue Trennmethode ist außerdem keine automatische Qualitätsgarantie. Sie muss mit dem Zustand der Oliven und den übrigen Arbeitsschritten zusammen betrachtet werden.

Quellen: [14]

1959Ein internationaler Rahmen für den Olivensektor

1959 wird der Internationale Olivenrat unter dem Dach der Vereinten Nationen gegründet. Die in Madrid ansässige zwischenstaatliche Organisation befasst sich mit Olivenöl und Tafeloliven. Gemeinsame Begriffe, technische Zusammenarbeit und die Verständigung über Qualitätsanforderungen gewinnen für einen grenzüberschreitenden Markt an Gewicht.

Damit erweitert sich die Geschichte von Baum und Presse um die Geschichte von Standards. Ein Käufer soll Öl nicht nur anhand einer Herkunftserzählung beurteilen müssen. Vergleichbare Prüfverfahren und nachvollziehbare Kategorien werden zu wichtigen Voraussetzungen für fairen Handel und Verbrauchervertrauen.

Quellen: [15]

1960er–1970erDie Zentrifuge verändert den Arbeitsfluss der Mühle

In den 1960er-Jahren erscheinen industrielle, kontinuierlich arbeitende Dekanterlinien; die AOCS nennt dafür die Centriolive-Anlage von Alfa-Laval. In den folgenden Jahrzehnten verbreitet sich die Zentrifugation. Statt die gesamte Trennung über aufgeschichtete Pressmatten zu organisieren, werden Bestandteile der Olivenpaste durch Zentrifugalkraft getrennt.

Der Wandel betrifft den Ablauf: Zerkleinern, kontrolliertes Mischen und die Trennung lassen sich als zusammenhängende Linie organisieren. Pressen verschwinden trotzdem nicht schlagartig. Auch bei einer modernen Anlage bleiben kurze Wege nach der Ernte, kontrollierte Temperaturen und sorgfältige Reinigung wichtige Qualitätsfaktoren.

Quellen: [14]

Geschlossene Edelstahl-Dekanteranlage als Illustration einer modernen Olivenölmühle
KI-generiertes Symbolbild moderner Mühlentechnik, keine Aufnahme eines bestimmten Betriebs. Heute übernimmt häufig die Zentrifuge den zentralen Trennschritt.

1991Europa präzisiert Merkmale und Prüfmethoden

Die Verordnung EWG Nr. 2568/91 ist ein wichtiger historischer Bezugspunkt für Merkmale von Olivenöl und die dazugehörigen Analyseverfahren. Sie gehört zu der Entwicklung, bei der chemische Untersuchung und sensorische Beurteilung gemeinsam zur Einordnung von Öl herangezogen werden.

Diese Verordnung ist hier als historische Station genannt, nicht als unverändert geltende vollständige Rechtsgrundlage für heute. Regeln werden später geändert und neu geordnet. Für die Geschichte ist wesentlich, dass Qualität zunehmend über überprüfbare Eigenschaften beschrieben wird und nicht allein über Farbe, Preis oder ein traditionsreiches Bild auf dem Etikett.

Quellen: [16]

2013Die mediterrane Esskultur wird als Kulturerbe gewürdigt

Die UNESCO-Eintragung der mediterranen Ernährung von 2013 umfasst eine länderübergreifende Kultur des Anbauens, Erntens, Kochens und gemeinsamen Essens. Olivenöl gehört in vielen beteiligten Regionen zu diesem Alltag. Anerkannt wird aber nicht eine einzelne Ölmarke, ein Heilmittel oder ausschließlich ein Zutatenverzeichnis.

Der Blick richtet sich auf Wissen, Rituale, Gastfreundschaft und die Weitergabe von Fähigkeiten. Damit verbindet sich die lange Geschichte der Landschaft mit dem heutigen Tisch. Das Öl bleibt ein Lebensmittel, gewinnt seine kulturelle Bedeutung jedoch aus den Menschen und Praktiken, die es umgeben.

Quellen: [17]

2022Neue EU-Regeln ordnen Vermarktung und Kennzeichnung

Die delegierte Verordnung EU 2022/2104 bündelt Vermarktungsnormen für Olivenöl. Dazu gehören auch Bedingungen für freiwillige Angaben: „Erste Kaltpressung“ bezieht sich auf geeignete native Öle aus einem ersten mechanischen Pressvorgang unter 27 °C mit traditionellen hydraulischen Pressen; „Kaltextraktion“ betrifft die entsprechende Gewinnung durch Perkolation oder Zentrifugation.

Damit wird eine historische Technikbezeichnung zu einer klar abgegrenzten Kennzeichnungsfrage. Ein modernes natives Olivenöl extra muss also nicht aus einer klassischen Presse stammen. Für Verbraucher ist es hilfreicher, das tatsächliche Verfahren und die geltenden Qualitätskriterien zu verstehen als „alt“ automatisch mit „besser“ gleichzusetzen.

Quellen: [18]

2026 · HeuteHeute: Weltweiter Anbau und neue Herausforderungen

Olivenöl wird heute nicht nur rund um das Mittelmeer erzeugt. Anbaugebiete in den Amerikas und weiteren klimatisch geeigneten Weltregionen ergänzen die traditionellen Zentren. In vielen modernen Mühlen arbeiten Zwei- oder Dreiphasendekanter; sie unterscheiden sich unter anderem darin, wie Öl, Wasser und feste Rückstände aus dem Trennschritt austreten.

Wasserverfügbarkeit, Hitze, Krankheiten, Sortenwahl und der Erhalt alter Haine prägen die aktuellen Fragen. Die Geschichte endet deshalb nicht mit einer perfekten Maschine. Sie setzt sich in Forschung, veränderter Landwirtschaft und bewussten Kaufentscheidungen fort. Der rote Faden bleibt derselbe: aus einer empfindlichen Frucht ein gutes, nachvollziehbar erzeugtes Lebensmittel zu gewinnen.

Quellen: [1] [14] [18]

Häufige Fragen zur Geschichte des Olivenöls

Wie alt ist Olivenöl?

Frühe Rückstände aus Ein Zippori werden ungefähr auf 6000 v. Chr. datiert. Die zerdrückten Olivenreste von Kfar Samir um 5600–5000 v. Chr. sind weitere wichtige Hinweise auf Ölgewinnung. Ein exaktes Erfindungsjahr ist nicht bekannt.

Wann wurde Olivenöl erstmals schriftlich erwähnt?

Die Literatur nennt Keilschrifttafeln aus Ebla im heutigen Syrien aus dem 24. Jahrhundert v. Chr. als besonders frühe Schriftzeugnisse. Diese überlieferten Texte sind deutlich jünger als die archäologischen Hinweise auf Ölnutzung.

Haben die Griechen Olivenöl erfunden?

Die bekannten frühen Belege führen in die südliche Levante und sind älter als die klassische griechische Kultur. Griechenland und Kreta waren später wichtige Zentren für Handel, Verwaltung, Alltag und religiöse Verwendung des Öls.

Wann kamen Schraubenpressen auf?

Plinius beschreibt im ersten Jahrhundert n. Chr. Presslösungen mit Schrauben. Die genaue Entstehung und Verbreitung lässt sich nicht auf ein allgemeingültiges Einzeljahr reduzieren; Hebel- und Schraubensysteme wurden lange parallel genutzt.

Seit wann nutzt man hydraulische Ölpressen?

Bramahs Hydraulikpresse wurde 1795 patentiert. Eine konkrete Anwendung für Olivenöl ist für 1833 in Montilla in Spanien dokumentiert. Die Technik verbreitete sich schrittweise und ersetzte ältere Anlagen nicht überall gleichzeitig.

Wann begann die Ölgewinnung mit Zentrifugen?

Industrielle kontinuierliche Dekanterlinien kamen in den 1960er-Jahren auf und verbreiteten sich in den folgenden Jahrzehnten. Sie trennen Bestandteile der Olivenpaste durch Zentrifugalkraft statt den gesamten Prozess über klassische Pressmatten abzuwickeln.

Wo liegt der Monte Testaccio?

Der Monte Testaccio liegt in Rom. Er besteht überwiegend aus Scherben antiker Transportamphoren für Olivenöl und ist ein wichtiges Zeugnis der römischen Versorgung und des Fernhandels.

Warum haben frühe Stationen nur ungefähre Datierungen?

Archäologische Schichten, Rückstandsanalysen und Pflanzenspuren ergeben häufig Zeiträume statt einzelner Kalenderjahre. Auch Anbaumethoden und Maschinen verbreiteten sich regional unterschiedlich. Die Chronologie kennzeichnet deshalb Näherungen und unterscheidet sie von sicher benannten historischen Jahren.

Quellen und Hinweise zur Chronologie

Die Nummern an den Stationen verweisen auf die folgenden Quellen. Museale Objektbeschreibungen, archäologische Forschung, historische Texte, Technikgeschichte und heutige Regelwerke beantworten unterschiedliche Fragen. Berichte über sehr frühe Funde werden bewusst als Hinweise beziehungsweise Deutungen eingeordnet. Die drei ergänzten Artikelbilder sind illustrative KI-Bilder und dienen nicht als archäologische Beweise.

[1] The history of olive cultivation in the southern Levant · Frontiers in Plant Science (2023)

[2] Smithsonian · The Oldest Olive Oil Ever Found Is 8,000 Years Old (2014)

[3] British Museum · Discovering a 4,500-year-old olive oil factory in Jordan

[4] The New Yorker · Olive Oil’s Dark Side (2012), interview with Tom Mueller

[5] The Metropolitan Museum of Art · Ebla in the Third Millennium B.C.

[6] Heraklion Archaeological Museum · Linear B tablet Π-Ν110

[7] International Olive Council · The olive tree

[8] The Metropolitan Museum of Art · Panathenaic prize amphora

[9] Cato · De Agricultura, translated by W. D. Hooper and H. B. Ash

[10] University of Melbourne · A pressing matter: Ancient Roman food technology

[11] Encyclopaedia Britannica · Monte Testaccio

[12] Lazicki & Geisseler · Olive Production in California

[13] Olive grove landscape: the hydraulic pressing machine and its importance in the cultural heritage of Andalusia (2022)

[14] AOCS Lipid Library · Olive Oil, García-González & Aparicio

[15] International Olive Council · Mission & Basic Texts

[16] European Union · Regulation (EEC) No 2568/91 (historical)

[17] UNESCO · Mediterranean diet, inscription 2013

[18] European Union · Delegated Regulation (EU) 2022/2104

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